Weinfranken: vom Brückenschoppen bis zum Weinsterben

Was gibt es Besseres als „Drei im Weggla“ oder eine saftige Ansbacher Bratwurst, das Ganze runtergespült mit einem „gouden“ Bier? Der Kenner greift zum „Franggenwein“. Denn die Region ist kulinarisch nicht nur für Bier und Bratwurst bekannt.

Weinland Franken: Ausblick von der Alten Mainbrücke in Würzburg
Ausblick von der Alten Mainbrücke in Würzburg. | Fotocredits: Juliane Pröll



Ob Silvaner, Riesling oder Rotling – in Franken schlägt das Herz der Weinliebhaber höher. Im Mittelalter war die Region sogar das größte Weinanbaugebiet des Heiligen Römischen Reiches. Seit dem 8. Jahrhundert wird im Frankenländle Wein angebaut. Im Mittelalter, zur Hoch-Zeit des Weinanbaus, wuchsen die Reben auf 40.000 Hektar in ganz Franken.

Weinpanschen mit Rosinen oder Glyzerin

Um das Geschäft noch lukrativer zu machen, wurde mit dem Rebensaft damals fleißig gepanscht. Deshalb legten Abgesandte der fränkischen Fürsten, der freien Reichsstadt Nürnberg und einige weitere im Kitzinger Weingesetz von 1482 fest, was im Wein enthalten sein durfte. Im Mittelalter wurden dem Getränk nämlich gerne Rosinen, Himbeersaft oder Senf, aber auch Glyzerin und andere Chemikalien zugesetzt.

Als Strafe beschlossen die Regierenden, dass der Panscher eine Geldstrafe von einem Gulden zahlen musste. Außerdem sollte den Fässern mit gepanschtem Wein der Boden ausgeschlagen und der Wein ausgeschüttet werden. Im unterfränkischen Kitzingen befindet sich noch heute einer der ältesten Weinkeller Deutschlands und zwar der „Alte Klosterkeller“ neben dem Landratsamt. Noch vor 50 Jahren umfasste der Keller 1,5 Millionen Liter Wein.

Weinfranken schrumpfte gewaltig

Die älteste Weinstadt der Region ist allerdings Hammelburg. Urkundlich erwähnt wurden Weinberge dort schon im Jahr 777 in einer Schenkungsurkunde Karls des Großen, mit der Hammelburg in den Besitz des Klosters Fulda überging. In der Neuzeit stand es dagegen schlecht in Franken um das Lieblingsgetränk des Gottes Bacchus. Im 19. Jahrhundert machte die Reblaus dem Wein zu schaffen.

Weinkelter im Nürnberger Handwerkerhof
Diese alte Weinkelter aus dem 17. Jahrhundert steht im Nürnberger Handwerkerhof. | Fotocredits: Juliane Pröll

Auch die staatliche Aneignung kirchlicher Flächen trug ihren Teil zum „Weinsterben“ in der Region bei. Bis zum 20. Jahrhundert waren die Anbaugebiete um das 20-fache auf etwas mehr als 2.000 Hektar geschrumpft. Erst in den 1970er-Jahren ging es mit dem Weinanbau wieder aufwärts und die Anbauflächen wuchsen. Heute wird auf rund 6.000 Hektar in Franken Wein angebaut. Zu den größten Weingebieten zählen die Landkreise Kitzingen, Würzburg und Schweinfurt.

Brückenschoppen in Würzburg



Ganz romantisch lässt sich in Würzburg der Wein übrigens auf der historischen Mainbrücke trinken. Der „Brückenschoppen“ wird vom Restaurant „Alte Mainmühle“ ausgeschenkt, die direkt an der Brücke liegt. Frühling und Sommer sind natürlich die besten Jahreszeiten für ein Glas dort. Aber Obacht: die Brücke und die Weinausgabe sind gerade zu diesen Zeiten sehr gut, um nicht zu sagen, viel zu gut, besucht.

Alte Mainbrücke Würzburg
Die Alte Mainbrücke in Würzburg. | Fotocredits: Juliane Pröll

Dafür wird man mit einem malerischen Ausblick auf die Festung Marienberg, die Weinhänge in der Stadt und auf den Main belohnt. Nach einem heißen Sommertag, wenn einem Abends gemeinsam mit Freunden eine frische Brise um die Nase weht und es nach Gebratenem aus dem Restaurant und kühler Sommerluft duftet, schmeckt der Rebsaft besonders erfrischend.

Wein-Merkmal: Bocksbeutel

Wein: Schwarzriesling von 1995
Dieser Schwarzriesling von 1995 war leider nicht mehr genießbar. | Fotocredits: Juliane Pröll

Ein typischer Frankenwein wird übrigens gerne in Bocksbeutel-Flaschen abgefüllt. Die erkennt man an der runden Flaschenform. Seit Ende der Achtzigerjahre ist die Bezeichnung EU-weit geschützt. Der Wein war und ist ein großes Ding in Franken.

Es lebe die Freiheit! Es lebe der Wein!

J. W. v. Goethe

So durchzieht die Region auch die Mittel- und Unterfränkische Bocksbeutelstraße. Entlang der Route werden unterschiedliche Rebsorten wie Silvaner, Müller-Thurgau, Spätburgunder oder Riesling angebaut. Der Würzburger „Steinwein“ begeisterte übrigens schon Goethe. Er wird so genannt, weil er an der Steillage names Würzburger Stein angebaut wird.

Es gibt so viel zu erzählen …



Mit dem „Vater“ der Mittelfränkischen Bocksbeutelstraße durfte ich vor zwei Jahren ein sehr interessantes Interview für das Franken Magazin machen. Das Print-Porträt über Edmund Zöller findet ihr in der Ausgabe Nr. 04/2018. Über das historische „Weinfranken“, die Entwicklung über die Jahrzehnte und die modernen Winzer heute gibt es noch so viel mehr zu erzählen.

Wer jetzt Blut – ich meine Wein – geleckt hat und für sein Magazin gerne einen Beitrag über eines der vielen Segmente aus meiner Feder hätte, darf mir gerne eine Mail schicken oder mich anrufen. Brieftaube ist auch okay, nur Rauchzeichen sind hier bei mir im „Tal“ meines Dorfes schwierig zu erkennen. Wer einen Artikel von mir möchte, aber noch keine Idee hat, kann mich ebenfalls jeder Zeit kontaktieren. Ich sende gerne Themenvorschläge mit Beitragskonzepten zu.

Fränkische Weinsorten


Müller-Thurgau/Rivaner: Weißwein, wurde 1882 gezüchtet, mild
Silvaner: Weißwein, kam im 17. Jahrhundert von Österreich nach Deutschland, feine Säure
Bacchus: Weißwein, wurde 1933 gezüchtet, aromatisch-fruchtig
Riesling: Weißwein, wird seit über 600 Jahren in Deutschland angebaut, fruchtige Säure
Schwarzriesling: Rotwein, gehört zu den Burgundersorten, fruchtiges Aroma
Rieslaner: Weißwein, Kreuzung zwischen Riesling und Silvaner von 1921, präsente Säure
Scheurebe: Weißwein, 1916 von Georg Scheu gezüchtet, körperreich & bukettbetont, besonders beliebt ab Qualitätsstufe Kabinett
Kerner: Weißwein, Züchtung aus dem Jahr 1929, Kreuzung von Trollinger und Riesling, feine Säure
Weißburgunder: Weißwein, stammt aus dem 14. Jahrhundert, vermutlich aus Schweiz und Frankreich, gehaltvoll, Säure erinnert an Äpfel
Grauer Burgunder: Weißwein, stammt aus dem 14. Jahrhundert, vermutlich aus Burgund oder der Champagne, säurearm, körper- und extraktreich
Spätburgunder: Rotwein, vermutlich aus dem Mittelalter, kam von Burgund nach Deutschland, samtig, vollmundig
Portugieser: Rotwein, bekannt seit dem 18. Jahrhundert, säurearm, mild
Domina: Rotwein, wurde 1927 gezüchtet, körperreich, säurebetont
Dornfelder: Rotwein, 1955 gezüchtet, fruchtiger Geschmack, moderate Säure

Glossar

  • körperreich: hoher Alkoholgehalt + Extrakt: alle Stoffe, die nach der Destillation im Wein enthalten sind wie Mineralstoffe, Säure, Zucker
  • bukett: Geruch des Weines im Glas

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