Lohnt sich ein Journalismusstudium?

Journalismusstudium Symbolbild

Viele, die eine Karriere im Journalismus ins Auge fassen, stellen sich diese Frage. Denn der Journalismus ist als Quereinsteigerberuf bekannt in dem auch Wissenschaftler, Fachleute und viele andere Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen Fuß fassen können. Meist sieht die „herkömmliche“ Laufbahn aber so aus: Redaktionspraktikum, Volontariat, danach Festanstellung oder Arbeit als FreiberuflerIn. Ein Studium ist also nicht unbedingt nötig.

Kein Vorteil für Journalismusstudenten

Stadt Ansbach bei Nacht
In der Stadt Ansbach habe ich studiert. Das Städtchen an der Rezat ist weniger für die Hochschule, sondern vor allem für das sagenumwobene Findelkind Kaspar Hauser bekannt. | Fotocredits: Juliane Pröll

Ich habe an der Hochschule in Ansbach Journalismus studiert und mein Journalismusstudium nicht bereut. Allerdings muss ich sagen, einen Vorteil im Berufsleben hatte ich dadurch nicht. Zu groß ist die Anzahl an Journalismus-Studenten mittlerweile.



Einige der Dinge die ich für meine Arbeit brauche, wie der Aufbau eines Artikels oder die unterschiede der verschiedenen Beitragsarten, habe ich in meinem Studium gelernt. Andere Kenntnisse, zum Beispiel, wie man ein Interview führt, habe ich mir im Laufe der Zeit durch „learning by doing“ selbst beigebracht.

Praxis und Theorie ist wichtig beim Journalismusstudium

Notizen aus meinem Journalismusstudium
Notizen aus der TV-Vorlesung. Hier hatten wir die Einstellungen wie Zebra und Blendenwert besprochen. | Fotocredits: Juliane Pröll

Wenn ihr ein solches Studium ins Auge fasst, beachtet auf jeden Fall eines: Sucht euch Hochschulen oder Unis aus, die Praxis und Theorie des Journalismus lehren. Gerade bei diesem Beruf ist es wichtig, schon praktisch zu üben, Interviews zu führen, zu wissen, wie man passende Gesprächspartner und Experten findet und zu lernen Artikel, Hörfunk- oder TV-Beiträge unter Zeitdruck zu erstellen. Erstens habt ihr dann nach eurem Studium bereits Arbeitsproben, die ihr bei einer Bewerbung vorweisen oder als Referenzen als freier Journalist nutzen könnt, zweitens wisst ihr schon ein bißchen, auf was ihr euch einlasst und habt einen Grundstock an handwerklichen beziehungsweise journalistischen Fähigkeiten.

Einen Überblick über Hochschulen, die diese Studiengänge anbieten, findet ihr zum Beispiel auf diesen Webseiten:

medien-studieren.net

unicheck.unicum.de

studieren-studium.com

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ bringt zudem jedes Jahr einen Studienführer als Magazin heraus und bietet online eine Suchmaschine für Studiengänge.

In den ersten drei Semestern bekamen wir im Studium die Grundlagen in TV-, Print-, Online- und Hörfunkjournalismus vermittelt. Dieses Konzept fand ich sehr gut. Natürlich waren die Vorlesungen je nach Dozent mal mehr, mal weniger erhellend, aber ein gewisser Schwund ist ja immer. Dabei wurden wir im ersten Semester gleich gefordert und mussten im Fach Printjournalismus ein Feature als Semesterarbeit abgeben. Die Zeichenlänge war vorgegeben und wenn wir sie überschritten, bekamen wir Punkte für die Note abgezogen. Das war mein allererstes Interview. Man hatte ich Bammel. Ich hab es dann aber doch ganz gut hinbekommen.

Kameraführerschein & Google-Bots

In der TV-Vorlesung machten wir zuerst einen Kameraführerschein, damit wir die teueren Kameras nicht schrotten, im Fach Online-Journalismus mussten wir in einem Semester drei Online-Artikel fertigstellen und in Hörfunk verfassten wir ebenfalls eigene Audio-Beiträge. In jedem Fach lernten wir vorher die Grundlagen in der Theorie wie Kameraeinstellungen, die Unterschiede der Mikrofone, wie wichtig Keywords sind, welche Schnittprogramme es für Audio und TV gibt, etc.

Auszug aus dem Pressecodex in meinem Journalismusstudium
Hier haben wir den Pressecodex beackert. Ich glaube, das müsste im Fach Medienethik gewesen sein. | Fotocredits: Juliane Pröll



Am Ende meines Studiums hatte ich ein kleines Magazin mit InDesign erstellt, zwei TV- und zwei Hörfunk-Beiträge verfasst, mich mit Photoshop herumgeschlagen, zwei Printartikel und drei Online-Beiträge geschrieben, vieles über Google-Bots, Rankings, Recherche, Medienrecht und -ethik gelernt und noch einiges mehr, dass ich mittlerweile einfach vergessen oder verdrängt habe (Empirische Sozialforschung zum Beispiel). Außerdem hatten wir ein halbes Jahr Praxissemester, das wir in einer oder mehreren Redaktionen verbringen konnten und ein freiwilliges Auslandssemester, welches ich in Dublin am Griffith College zugebracht habe.

Ein klares Jein zum Journalismusstudium

Ich war nicht immer mit den Dozenten zufrieden und einige wenige Fächer waren schlichtweg so schlecht und überflüssig, dass sie mir gar nichts brachten. Doch gerade in den praktischen Fächern – und das waren die meisten – habe ich viel gelernt und einiges davon in meinen jetzigen Beruf mitgenommen. Im Großen und Ganzen war ich mit meinem Studium zufrieden.

Notizen zur 3D Vorlesung während meines Journalismusstudium
Notizen aus meiner 3D-Animationsvorlesung. Wir mussten einen hüpfenden Ball in einer 3D-Wohnung animieren. | Fotocredits: Juliane Pröll

Hätte ich es unbedingt gebraucht? Jein. Bestimmt hätte ich auch so ein Praktikum in einer Redaktion machen und dann ein Volontariat beginnen können. Aber durch das Journalismusstudium fiel mir der Einstieg in den Beruf als freie Journalistin viel leichter. Vor allem habe ich während des Studiums festgestellt, dass mir der Journalismus Spaß macht und dass ich Print und Online gerne mag. Bei einem Praktikum oder einem Volo hätte ich nie diese Bandbreite an Medien kennengelernt, dafür hätte ich mehrere Praktikas oder Arbeitsstellen gebraucht.

Kein Experte auf einem Fachgebiet

Ein Minuspunkt ist allerdings, dass vor allem Fachredaktionen oft Journalisten suchen, die zum Beispiel ein passendes Studium wie Geschichte, Biologie usw. abgeschlossen haben, wenn man bei diesen Magazinen über diese Themen schreiben möchte. Ein allgemeines Journalismusstudium macht euch aber nicht zu einem Experten auf einem Fachgebiet. Das ist allerdings der einzige Nachteil, der mir einfällt. Natürlich muss am Ende jeder selbst wissen, was am besten passt. Ein Journalismusstudium lohnt sich, sofern man sich vorher gut informiert und die passende Hochschule oder Uni aussucht.

Hier noch einige Leseempfehlungen (Affiliate-Links):

Wege in den Traumberuf Journalismus: Deutschlands Top-Journalisten verraten ihre Erfolgsgeheimnisse. Mit praktischem Studienführer (defacto)

Journalismus: Was man wissen und können muss: Ein Lese- und Lernbuch (Bibliothek des Journalismus)

Weitere Beiträge zum Thema Journalismus findet ihr hier auf meinem Blog.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.