Wie ein journalistischer Beitrag entsteht – die Tageszeitung

Ein Ausschnitt aus einer Tageszeitung

Print, Online, Tageszeitung, Monatsmagazin – jedes Medium arbeitet anders und hat andere Anforderungen an den Text und damit an meine Arbeitsweise als freie Journalistin. Dieser Blogartikel dreht sich darum, wie ein Beitrag für die Tageszeitung entsteht.

Planung ist alles

Als Freie akquiriere ich entweder Aufträge oder bekomme welche von meinen Auftraggebern. In diesem Fall sendete mir die lokale Tageszeitung eine Anfrage. Das Thema: die Neubürgerversammlung in einem Dorf des Landkreises. Wenn so ein Auftrag bei mir eingeht und ich ihn annehme, trage ich ihn auch gleich in meinen offline Wand- und in den virtuellen Handy-Kalender sowie in meine To-do-Listen-App ein. So erscheint der Termin beziehungsweise die Aufgabe zum gewünschten Zeitpunkt auf meinem Smartphone. Außerdem kann ich weitere zukünftige Aufträge für das Monat außen herum planen.

Beitrag Tageszeitung
Ich lege eine Aufgabe in meiner To-do-App an. Hier kann ich auch eintragen wie wichtig die Aufgabe ist. | Screenshot Smartphone Todoist-App



Vorgaben und Infos für den Termin

Bei einem neuen Auftrag muss ich natürlich die Bezahlung vorher abklären. In diesem Fall kenne ich den Auftraggeber aber schon länger und weiß, was mich geldmäßig erwartet. Dementsprechend passe ich meinen Arbeitsaufwand an. Je nach Beitrag melde ich mich bei den Veranstaltern vorher – oder eben auch nicht. In diesem Fall war eine Anmeldung für mich nicht nötig. Ich brauchte weder einen festen Interviewtermin noch eine Akkreditierung für den Eintritt.

Zur Vorbereitung lese ich mir im Internet die wichtigen Infos zur Veranstaltung auf der offiziellen Webseite der Gemeinde durch. Gewünscht war von der Redaktion auch eine Umfrage unter Neubürgern. Das heißt, ich schaue mir die vorgegebenen Fragen an, überlege mir, mit wie vielen Personen ich ungefähr sprechen muss und drucke die Fragen sowie die Infos zum Auftrag aus.

Kamera, Diktiergerät, Infos zu Fotos und Anmerkungen des Auftraggebers bzw. die Fragen für die Umfrage nehme ich mit.

Equipment-Check

Dann packe ich schon mal meine Sachen, auch wenn die Veranstaltung erst Abends stattfindet. Da ein Bild gewünscht ist, kommt auch der Foto mit. Bei meinem Diktiergerät und der Kamera checke ich den Status der Batterien bzw. des Akkus. Dann noch Block und Stift in die Tasche packen – denn etwas zu notieren gibt es immer – fertig. Nun kann ich mich meinem Tagesgeschäft widmen und andere Texte schreiben oder überarbeiten, bis es los geht.

Fotoapparat Display Beitrag Tageszeitung
Ich fotografiere mit einer Nikon D3300. Wie man unschwer erkennen kann, hat der Akku noch 2/3 Saft.

Interviews, Interviews, Interviews

Da die Veranstaltung um 17:30 Uhr beginnt, fahre ich um 16:45 Uhr los. Weil das Dorf von mir nicht weit entfernt liegt, bin ich eigentlich zu früh dran. Mein Plan: zuerst die Umfrage machen, bevor der Bürgermeister mit der Begrüßungsrede anfängt. Damit habe ich das Kernstück des Beitrags, die Interviews, schon mal sicher, bevor sich die Leute am Ende wieder in alle Richtungen zerstreuen. Die Umfrage klappt auch wie am Schnürchen. Die Antworten auf die Frage, warum sich die neuen Bürger gerade für den Ort entschieden haben, reichen von „Liebe“ über „einigermaßen bezahlbare Wohnung“ bis hin zu „gute S-Bahn-Anbindung“.

Während der Rede schieße ich Fotos und zeichne das Gesprochene mit dem Diktiergerät auf. Die Umfrage mache ich ebenfalls mit dem Diktiergerät. Da ich kein extra „Arbeits-Smartphone“ habe, nutze ich mein Handy nur im Notfall, um damit Interviews aufzunehmen. Mein Diktiergerät hat den Vorteil, dass es nicht internetfähig ist und über diesen Weg schon mal nicht gehackt werden kann.

Bei der Neubürgerversammlung für einen Beitrag für die Tageszeitung
Vor Ort bei der Neubürgerversammlung. Als Snacks gab es Süßigkeiten und Chips. Die Umfrage lief gut.



Dateien sichern, Fotos sichten

Nach der Veranstaltung komme ich mit sechs Interviews für die Umfrage, einer aufgezeichneten Rede und Fotos nach Hause. Nun sichere ich noch die Foto- und Audiodateien auf meinem PC, bennene die mp3-Dateien in die Namen der Interviewten um und sichte schon mal die Fotos. Dabei notiere ich mir gleich die Nummern der ausgewählten Bilder, damit ich nächste Woche, wenn ich den Beitrag zuschicke, nicht nochmal alles durchschauen muss.

Fakten für die Tageszeitung

Den Tageszeitungsbeitrag setze ich mir als Schreib-Termin für die kommende Woche Dienstag als Aufgabe in meine To-Do-App. An dem Tag verfasse ich den groben Text, füge die Interviews mit den Neubürgern, Fakten aus der Rede wie aktuelle Einwohnerzahl und zukünftige Bauprojekte ein, erfrage im Rathaus telefonisch die momentane Anzahl der Neubürger und überarbeite den Artikel mit einem frischen Blick nochmal am Mittwoch. Dabei ist mir nicht nur der Informationswert, sondern auch eine leicht verständliche Schreibweise sowie der Unterhaltungsaspekt für die Leser wichtig. Letzterer ist bei diesem Beitrag mit der Umfrage bereits gegeben.

Ordner Beitrag Tageszeitung
Jeder Auftrag bekommt auf meinem Desktop einen eigenen Ordner. Bei Tageszeitungsbeiträgen trage ich zusätzlich das Datum des Termins in den Namen ein. So finde ich alte Beiträge leichter.

Und ab die Mail

Nachdem ich alle wichtigen Zahlen im Beitrag abgeklärt habe, versende ich abschließend am Donnerstag die Mail an die Lokalredaktion der Tageszeitung mit Erklärungen zu den Bildern, Text und Fotos. Damit ist meine Arbeit erledigt (außer es kämen Nachfragen). Das Redigieren übernimmt die Redaktion. So findet ein neuer Beitrag seinen Weg in den Lokalteil der Tageszeitung.

In meinen Referenzen könnt ihr einige Beiträge einsehen, die ich für die Lokalpresse verfasst habe. Auch online gibt es auf nordbayern.de den ein oder anderen Artikel von mir. Ich hoffe, ihr fandet auch diesen Blog-Beitrag unterhaltsam und informativ. Danke fürs Lesen und schaut mal wieder rein.

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